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Hier finden Sie in loser Folge immer wieder Texte von mir.

 

Wenn mir etwas Spannendes über den Weg läuft oder etwas Heiteres, will ich es hier posten. Und dazwischen auch immer mal eine Leseprobe aus meinen Büchern. Auch Schreibtipps können dabei sein.

 

Zur besseren Orientierung finden sie Symbole neben den Beiträgen. Das Keyboard steht für meine Arbeit als Autor, das Buch kennzeichnet einen Ausschnitt aus einem meiner Bücher,  das Zahnrad weist auf einen Beitrag aus dem Literaturbetrieb hin und so weiter.

 

Alte Beiträge finden Sie noch eine Weile im passenden Menüpunkt.

 

Viel Spaß beim Lesen.

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Blogbeitrag  Autorenleben  # 7

Sex im Roman

Es ist beim Schreiben hin und wieder ein Problem: Sex. Wie beschreibt man ihn? Wer Erotik oder gar Einhandliteratur schreibt, darf und muss sogar ins Saftige greifen, um die Lust, den Rausch und die Sensation des Vermischens der Säfte plastisch zu Papier zu bringen. Doch dies sind eher spezielle Genre. Bei den meisten anderen stellt sich die Frage: Wie beschreibe ich den Geschlechtsakt so, dass es geschmackvoll bleibt.

Es ist wohl immer ein Drahtseilakt. Es soll plastisch sein, aber nicht derb, es soll lustvoll sein, aber nicht dreckig und vor allem: Die Hauptakteure sollen bitte die beteiligten Figuren sein und nicht nur ihre Geschlechtsteile. Man kann sogar ins Lächerliche abdriften, wenn man es mit reifen Feigen, Pflaumen oder Liebesspeeren übertreibt. Wer gar versucht, einen „Rammbock aus geilem Fleisch in eine Erdbeermuschel zu treiben“,  sollte von der Sprachpolizei wegen grobem Unfugs und schwerem Methaphernmissbrauchs ins Loch geworfen werden, um dort eine Terrine Buchstabensuppe zu einem Unterhaltungsroman zu sortieren. Auch wer versucht den Liebeskombattanten einen Dialog wörtlich abzulauschen, muss allzuoft scheitern: „Ja, ja, ja, oh Gott ich komme!“ – „Oh Gott! Oh Gott! Oh ja, gleich spritz ich ab!“  gibt wirklich nicht viel her.

Ich denke, bevor man es schlecht macht, lässt man es besser sein. Ich bewundere alle Kolleginnen und Kollegen, die dieses Kunststück zuwege bringen. Susanne Pavlovich gehört dazu. In ihrem auch ansonsten sehr gelungenen Roman „Das Spielmannslied“ zeigt sie, dass es doch gelingen kann die Ekstase originell, dezent und geschmackvoll einzufangen. Doch diese Gabe, man kann es allzuoft lesen, ist nicht jedem gegeben.

Es bleibt also stets eine Herausforderung, denn unsere Figuren haben nun mal Sex und der gehört  gelegentlich zur Geschichte und kann nicht verschwiegen werden kann. Was soll man da machen? Es gibt keine Ideallösung, die man allen empfehlen kann. Ich habe nur eine Lösung für mich gefunden.

Ich frage meine Protagonisten. Ok … bisher war es bei all meinen Büchern vor allem eine Figur – Lupina. Meine toughe Halblingsdetektvin hat ein Sexualleben und es ist für die Geschichten wichtig. Ich fragte sie also, wie sehr ich bei den Beschreibungen ins Detail gehen darf. Sie meinte rundheraus, was unter der Bettdecke geschieht, sei ihre Privatsache und knallte mir, ihre Autor die Tür vor der Nase zu. Später, verschwitzt und glücklich entspannt in den Laken war ich wieder zugelassen.

Es ist also weniger meine freie Entscheidung als Autor, als die Frage, was zu meinen Figuren passt und was ihr peinlich wäre und sie sozusagen gegen den Strich bürsten würde.

Und sind wir ehrlich: Der rein körperliche Akt beim Sex ist erzählerisch nur wenig ergiebig. Was der Sex mit uns macht, ist hingegen sehr spannend. Doch das kann vor- und nachher beschrieben werden. Dazwischen liegt eher gymnastische Sportberichterstattung! Die bringt weder die Handlung weiter noch klärt sie den Leser über Wichtiges auf. Darauf kann oft verzichtet werden.


SPruch der Woche KW 7

 

Ausnahmsweise mal etwas,

was ich selbst formuliert habe:

 

Einfach nur stinken ist nicht hilfreich. Doch ein laut knatternder Furz an der rechten Stelle hat Unterhaltungswert.

Blog Textschnipsel #5

Bumerangwerfen im Englischen Garten

Wenn man nach Australien reist, ist ein Bumerang ein sehr praktisches Mitbringsel. Er ist flach, leicht und typisch. Und wer freut sich nicht, wenn er solch einen treuen Stock geschenkt bekommt, der zum Werfer zurückkehrt. Auch ich bekam einen Bumerang mitgebracht und auch ich froh und dankbar.

Froh war ich aber nur, bis ich das Geschenk zum ersten Mal ausprobiert hatte. Da stellte ich dann fest, dass zwar jedermann einen Bumerang werfen kann. Doch leider kann längst nicht jeder das Sportgerät so werfen, dass es auch wieder zurückkommt. Die Flugbahn kehrte sich allenfalls zufällig wieder in meine Richtung, blieb aber, wenn man ehrlich war, völlig unberechenbar. Das war kein Wurfsport, es war eher eine sehr dämliche und potentiell gefährliche Art, kreuz und quer auf einer großen Wiese zu spazieren, um den Bumerang wieder einzusammeln.

Diese Situation fand ich sehr unbefriedigend und wollte unbedingt lernen, den Bumerang richtig zu werfen. Heute würde man bei YouTube sich solange ein Tutorial nach dem anderen ansehen, bis man eines findet, dass einem die Kunst so erklärt, dass man begreift, worauf es ankommt. Ich aber hatte damals nur ein schlecht kopiertes Zettelchen, das auf Englisch in Stichwörtern und Winkelangaben sehr dürftige Hilfestellung gab. Doch davon wollte ich mich nicht aufhalten lassen.

Ein weiteres Problem beim Werfen des eigenwilligen Fluggerätes war der Platz. In München eine ausreichend große Fläche zum Üben zu finden ist schwer. Der Ort muss sehr groß sein, glauben sie mir. Besonders beim Anfänger. Ein Fußballplatz kann da rasch zu klein werden. An einem schönen Nachmittag wurde ich im Englischen Garten fündig. Aber es gab einen kleinen Haken: Es waren eigentlich zwei Wiesen, die mir diesen Platz boten und mittendurch floss der Schwabinger Bach. Doch eine besseren Wiese fand ich nicht. Nicht in der Innenstadt zumindest. So positionierte ich mich in der Mitte, möglichst weit von allen Hindernissen und Opfern entfernt und prüfte den Wind. Die komplexe Aerodynamik erfordert einen Wurf gegen den Wind! Und der wehte ausgerechnet von Osten her – über den Bach hinweg. Konnte ich hier üben? Ich musste mein kostbares Sportgerät über den Bach hinweg auf die andere Seite werfen. Und er würde vermutlich nicht zurückkehren. Ihn zu holen, bedeutete, die zweihundert Meter zur Brücke bachab zu laufen, drüben wieder bachauf, den Bumerang zu suchen, und dann zurückzukehren. Jeder Fehlwurf würde sehr große Unannehmlichkeit bedeuten.

Ich beschloss kühn, genau diesen Umstand als Vorteil und Herausforderung zu betrachten. Es ging ja genau darum, dass der Bumerang zurückkam und Fehlwürfe zu vermeiden. Den mühsamen Umweg betrachtete ich nun als Ansporn.

Ich warf sehr bewusst, und kontrolliert … und trabte zur Brücke. Als ich den Bumerang wieder hatte und auf Position war, versuchte ich es erneut, änderte aber den Winkel. Wieder musste ich auf die andere Seite. Dieses Mal hatte der Bumerang aber schon wieder den Rückweg angetreten, nur war er nicht weit genug gekommen. Ich war auf dem richtigen Weg. Der dritte Wurf war auch noch nicht perfekt, aber noch einmal besser. Und der vierte lag dann schon auf der richtigen Seite des Baches. Bei siebten Mal hatte ich geschludert und wurde wieder mit einem Fußmarsch nach drüben bestraft. Doch beim zehnten Wurf konnte ich zum ersten Mal meinen Bumerang wieder fangen! Ich hatte das Prinzip nun endlich begriffen und die Kombination aus Schwung, Kraft, Winkel, Neigung und Spinn endlich verinnerlicht.

Bis zum Abenddämmern schwirrte mein Bumerang immer wieder über den Schwabinger Bach hinweg, kreiste in ein paar Metern Höhe über der Wiese im Osten, kehrte dann zurück, wurde dann langsamer und sank zu Boden, falls ich ihn nicht fangen konnte.

Wenn Sie also selbst einmal das Bumerangwerfen versuchen wollen, wissen Sie nun, wo sie es üben können.