Ein Buch selbst machen

Vom Bündel zum Buch
Ein Manuskript ist noch kein Buch. Aber sie können selbst ein Buch daraus machen. Es ist einiges an Arbeit und es ist Bastelei nötig, aber wenn sie nicht völlig ungeschickt sind, haben sie für recht wenig Geld ein paar hübsche Büchlein in der Hand.

Ich hoffe, sie können dieser Anleitung folgen.

1. Schritt: Die Druckvorlage
Wenn sie nicht über eine ganz gleichmässige Schönschrift verfügen, werden sie um einen Computer kaum herumkommen. Wenn es also noch nicht geschehen ist, tippen sie ihren Text mit einem Schreibprogramm in einen Computer. Korrigieren sie den Text. Korrigieren sie ihn dann nochmals.

Nun entwerfen sie eine Titelei:
Titelei nennt man die ersten Seiten eines Buches,die dem eigentlichen Buchtext vorausgestellt werden. Nehmen sie ein beliebiges Buch zur Hand und blättern es durch sie werden Folgendes finden:

  • Schmutztitel
  • Vacatseite (leere Seite)
  • Titelseite
  • Titelrückseite mit Impressum (Copyrightvermerk!!!)
    fakulltativ können zur Titelei gehören:
  • Widmungsseite
  • Inhaltsverzeichnis

Die Titelei ist nun verfasst und steht vor ihrem Text? Dann wählen sie nun für ihren Text eine geeignete Schrift. Für Kinderbücher oder Grossdruck ist eine serifenlose Schrift geeignet. Für eine Erzählung würde ich aber eine Serifenschrift wählen, die auch klein gut lesbar bleibt, z.B. Time New Roman in 9 oder 10 pt.

Als Nächstes richten sie die Seite so ein, dass sie mittig auf dem Papier steht. Ich empfehle für das Format  DIN A 4 hochkant  folgende Seitenränder:

      • oben: 4 cm
      • links: 5,5 cm
      • rechts: 5,5 cm
      • unten 8,5 cm

Diese Form der Formatierung ist zwar recht grosszügig, doch sie haben so für das Beschneiden beim Binden des Buches genügend Spielraum.

Drucken sie eine Testseite. Sie sollte möglichst viel Text enthalten und nicht mit einer Leerzeile beginnen oder enden. Drucken sie sie doppelseitig aus und halten sie sie gegen das Licht. Der durchscheinende Textblock der Rückseite müsste nun dem der Vorderseite entsprechen. Wenn er das nicht tut, müssen sie ihre Einstellungen überprüfen.

Nun nur noch, soweit vorhanden, die Schusterjungen- und Hurenkinderautomatik des Schreibprogrammes aktivieren, damit bei den Seitenumbrüchen keine einzelnen Restzeilen eines Absatzes auf einer Seite stehen bleiben. Jetzt ist ihre Duckvorlage fertig

2. Schritt: Das Drucken und der Bundschnitt
Erst ab Auflagen deutlich über hundert Exemplaren rentiert es sich, einen Drucker zu beauftragen. Bei kleineren Auflagen, die man auch noch in Eigenregie binden kann, ist ein Copy-Shop die bessere Adresse. Suchen sie sich einen mit einer hydraulischen Schneidemaschine, die Papierstapel verarbeiten kann. Wir wer- den sie brauchen!

Lassen sie die Kopiervorlage doppelseitig drucken. Ich empfehle für den Anfang eine Auflage von 10 bis 15 Exemplaren. Die zu binden, ist schon genug Arbeit. Lassen sie noch von einer Textseite, die möglichst Text von der ersten bis zur letzten Zeile enthält, ein paar zusätzliche Kopien anfertigen. Es sollte eine Seite mit ungerader Seitennummer sein!

Nun werden ihre Papiere gleich an der Seite beschnitten, wo sie später gebunden werden sollen: Wenn sie auf die erste Seite ihr- es Buchstapels schauen und die Schrift nicht auf dem Kopf steht, ist es linkes vom bedruckten Satzspiegel. (Siehe No. 1)

Nehmen sie an einem der zusätzlichen Blätter Maß und lassen sie links soviel abschneiden, dass neben dem Textblock ein etwa 15 bis 18 Millimeter breiter Rand stehen bleibt. Dieser Rand heisst Bundsteg. Lassen sie all Ihre Ausdrucke so beschneiden, aber achten sie darauf, dass die richtige Seite beschnitten wird. Vergessen sie auch die zusätzlichen Seiten nicht! 

3. Schritt: das Binden
Wir werden nun die Bücher binden und zwar flexibel wie Taschenbücher. Die Art der Bindung, wie ich sie beschreibe, heisst Lumbeckbindung.

Sie brauchen keine komplette Buchbinderwerkstatt, aber Folgendes sollten sie haben:

  • einen stabilen Arbeitstisch mit glatter, ebener Arbeitsfläche
  • 4 Brettchen etwas größer als ein längsgefaltetes Din A 4 Blatt
  • 4 Schraubzwingen
  • ein scharfes Messer (Teppichmesser mit verstellbarer Klinge)
  • eine gute Schere
  • einen Borstenpinsel
  • Blockleim oder Leim für Lumbeckbindungen (Papierfachhandel)
  • buntes Papier
  • 2 Overheadfolien
  • ein gutes Lineal
  • einen Stift

Als Erstes legen sie je 2 Blatt buntes Papier dort zwischen die Stapel, wo ein Buch aufhört und das nächste Buch beginnt. Das bunte Papier wird an der rechten Seite überstehen, doch das stört nicht weiter. Achten sie darauf, dass alle Papiere richtig ausgerichtet sind (Schrift weist nach oben, Bundsteg nach links!). Stapeln sie die Papiere übereinander.

Jetzt teilen sie den Stapel in handlichere Packen: Nur ganze Bücher nehmen! Die Packen sollten nicht dicker als etwa 400 Blatt sein. Auf und unter jeden Packen kommen nun noch zwei bis drei Blatt buntes Papier zum Schutz.

Nun stoßen sie den ersten Packen auf einer der Schmalseiten und an der beschnittenen Bundseite gut auf. Die Blätter müssen nun exakt aufeinanderliegen.

Es folgt der schwierigste Teil: Den gut aufgestoßenen Packen legen sie nun so auf ein Brettchen, dass die beschnittene Bundseite knapp zur Hälfte übersteht und der Stapel möglichst nicht verrutscht. Nun das zweite Brettchen darüberlegen und vorsichtig, ohne das Ganze zu verrutschen, mit den Schraubzwingen pressen.

Nun können sie mit dem Pinsel auf der Bundseite den Leim auftragen. Biegen sie den Packen dabei ruhig nach links und rechts, das verbessert die Leimung. Tragen sie den Leim satt auf, aber arbeiten sie dennoch möglichst sauber. (Siehe No. 2)

Um ein Ankleben an den Brettchen zu verhindern, legen sie die Folie unter und auf den geleimten Packen. Dann wird auch die geleimte Hälfte des Packens zwischen die beiden restlichen Brettchen geklemmt und mit Schraubzwingen gepresst.

Das sollte nun erst einmal trocknen. Danach haben sie einen dicken Block, den man so schon aufschlagen kann. Er sollte mehrere Exemplare ihres Buches enthalten, getrennt von bunten Papieren.

Mit dem Teppichmesser trennen sie nun zwischen den bunten Seiten die einzelnen Bücher voneinander. Sie heißen in dieser Form jetzt Buchblock. Die bunten Papiere dienen nun dem Schutz und können später, vor dem Weiterverarbeiten, ganz einfach abgezogen werden.

5. Schritt: Der Einband:
Wir müssen zunächst aus Fotokarton die Einbände zuschneiden: An den Buch- blöcken können wir sehen, wie dick die Bücher werden müssen und im letzten Schritt haben wir die Masse des beschnittenen Buches festgelegt. Schneiden sie also Kartonstreifen zu, die der Höhe des geplanten Formates entsprechen und der doppelten Breite des Buches plus seine Stärke. Geben sie allen Massen noch etwas dazu: In der Höhe etwa eine Daumenbreite, in der Breite etwa zwei bis drei.

Nun falzen wir den Umschlag und zwar nicht genau auf Mitte, sondern so, dass beim Falten ein Stück übersteht, das der Dicke des Buchblocks entspricht. Wenn wir in der Gegenrichtung ebenso verfahren, erhalten wir eine Tasche, in der der Buchblock genau hineinpasst.

Diese Tasche wieder gerade hinlegen und so mit Papierstreifen so abdecken, dass man ein oder zwei Millimeter über die Falze hinaus und das Innere des Rückens dazwischen gut mit Leim bestreichen kann, ohne den restlichen Umschlag zu ver- schmieren.

Der Buchblock wird an der Rückenseite ebenfalls mit Leim bestrichen. Nun zieht man sachte die bunten Papiere ab und setzt den Buchblock vorsichtig in den Um- schlag. Die Oberkante des Umschlages richten wir an der aufgezeichneten Hilfslinie aus. Gut andrücken und auf dem Rücken stehend trocknen lassen. (Siehe No. 6)

4. Schritt: Das Format festlegen
Sie haben noch die zusätzlichen Ausdrucke? Nehmen sie einen und zeichnen sie mit dem Lineal ein Rechteck, das den Textblock einrahmt, also der Fläche, die die im Buch bedruckt sein wird, einschließlich erster und letzter Zeile, aber ohne die Seiten- zahlen. Zeichnen sie nun von oben links nach unten rechts eine Diagonale durch das Rechteck und verlängern sie diese Diagonale, so weit es möglich ist. (Siehe No. 3)

Tragen sie nun parallel zur unteren Grenze des Rahmens eine Line an. Ihr Abstand sollte etwa das Zweifache des Bundsteges betragen. Hier wird die Unterseite des Buches sein, wenn wir den Fussschnitt gemacht haben. (Siehe 4)

Wo diese Linie die Diagonale schneidet, ziehen sie eine Linie parallel zur Aussen- kante des Satzspiegels. Diese Linie bezeichnet die Stelle, wo wir später den Aus- senschnitt ansetzen werden. So breit wird das Buch werden. (Siehe No 5)

Auf der Höhe, wo die Diagonale den Bundschnitt trifft, ziehen wir die letzte Linie, die den Kopfschnitt markiert, paralell zur Oberkante des Texblocks. Nun wissen, wir wie groß das Buch werden wird. Tragen sie als letztes diese Schnittmasse auf den übrigen Blättern ein. (Siehe No 5)

Auf den Buchblöcken zeichnen wir mit Bleistift eine Hilfslinie ein. Sie sollte etwa 5 bis 10 Millimeter oberhalb des geplanten Kopfschnittes liegen. (Siehe No 5)

6. Schritt: der dreiseitige Beschnitt
Mit den nun unbeschnittenen Büchern und den zusätzlichen Papieren, auf die wir die geplanten Schnitte eingezeichnet haben, gehen wir wieder zum Copyshop und lassen die Bücher an den drei Seiten beschneiden.

Achten sie darauf, dass die Bücher vor dem Schneiden richtig herum aufeinander liegen und legen sie jeweils eines der zusätzlichen Blätter darauf. Nun kann man sich beim Schneiden einfach an den eingezeichneten Linien orientieren.

Nach dem dritten Schnitt sind ihre Bücher fertig und haben endlich ein handliches Format.

Der Ordnung halber:

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