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2011 Das Jahr 2011 war nicht sonderlich aufregend, doch wenn man Bilanz zieht, war es doch ein erfolgreiches Jahr. Nur schade, dass es nicht mehr Blogeinträge gab. Aber der Alltag ist nun mal nicht immer einer Verewigung würdig.
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14.1.2011 Kleine Schreibblockade
Seit dem Frühjahr des letzten Jahres war ich voll mit der Heraus- gabe der beiden Fantasykrimis beschäftigt gewesen. Und dann stand fast schon Weihnachten vor der Tür. Plätzchen backen und Stollen (!), Geschenke aussuchen, Weihnachtsbriefe und -karten schreiben ... man kommt ja zu nix! Und in den Weih- nachtsferien, wenn das miese Wetter einem Zwölfjährigen den Auslauf versagt, ist es auch nicht ruhig genug, um zu schreiben.
Es ist weniger eine Sache der Lautstärke oder absolute Stille. Es ist eher Frage der Fokussierung und der Ablenkungen: Ich kann mich nicht für nur zwei Stunden zum Schreiben hinsetzen. Unter vier Stunden geht wenig zusammen: Zuerst wird ja das Vortagespensum korrigiert und sprachlich verbessert. Das kann schon ein Weilchen dauern. Doch dann bin ich im Fluss und kann befreit weiter schreiben. Tagesziel: mindestens ein Kapitel. Das ist mit den vorherigen Korrekturen meist bis etwa zum Mittag zu schaffen. Nur einen halben Tag die Familie zu bitten, mich nicht - NICHT - zu stören ... eine Illusion.
Nun aber soll es endlich weitergehen. Das aktuelle Projekt ist der dritte Band um Lupina, die kesse Halblingsdetektivin. Ich arbeite sowieso schubweise. Lange Zeit gärt die Geschichte im Kopf und die Geschich- te spinnt so sich weiter, eher unter- bewusst. Szenen und Begegnungen geistern vage durchs Hirn und begegnen mir sogar in den Träumen. So baut sich etwas auf, was ich für mich selbst Schreibdruck nenne. Wenn es soweit ist, dann wird Zeit, die Geschichte weiterzuerzählen ... und ich beginne, eine Schreibphase zu planen. Solch eine Schub umfasst Wochen, meist einen Monat. Diese Zeit halte ich mir möglichst frei von Terminen.
Seit Montag ist es wieder soweit: Die Weihnachtsferien sind zu Ende, ich habe Zeit und Ruhe und kann wider schreiben ...
Am Montag las ich das alte Fragment, immerhin ein ganz netter Packen Papier, nun erweitert um einige handschriftliche Anmerkungen, Durchstreichungen und Verbesserungen. Ich denke inzwischen, ich werde wohl das Ganze straffen müssen, damit sich das Tempo erhöht. Doch im Großen und Ganzen bin ich zufrieden.
Am Dienstag sollte es dann endlich richtig losgehen. Und es begann ... mit einer kleinen Schreibblockade: Eine Nebenfigur wollte Lupina nicht die Infos nicht geben, wie ich es vorgesehen hatte. Sie blieb stumm. Ich konnte tippen, was ich wollte, alles klang doof und so falsch, dass es die Backspacetaste sofort wieder wegmähte.
Es ist zum Glück nicht das erste Mal, dass ich solche Probleme habe. Auch wenn ich für diese Idee schon belächelt wurde, veranstalte ich in solchen Fällen mit den Figuren eine kleine Konferenz. Es ist sehr gut, dass ich mir meine Figuren als sehr lebendige Wesen vorstelle. Ich bat also die Nonne, um eine solche handelte es sich nämlich bei dieser widerspenstigen Figur, zum Gespräch und fragte sie, was denn los sei.
“Der Dialog ist doch schon vorbereitet“, erklärte ich. „Was hast Du nur. Wieso willst du denn Lu nichts sagen?“ fragte ich.
„Aber doch nicht dort, wo sie mich gefragt hat! Nicht da!“, raunte sie mir zu. Und dann ergänzte sie mit erhobenen Augenbrauen: „Diese Wände haben Ohren!“
Ich stellte fest, dass ihr Argument nicht schlecht war. Als ich ihr dann kurz entschlossen eine kleine Szene schrieb, in der sie Lu allein und unbelauscht treffen konnte, wurde sie sehr gesprächig. Und seither geht es ganz gut voran.
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15.5.2011 Nach langer Pause zurück
Es kommt immer anders, als man denkt. Ich hatte es so schön geplant: Im späten Winter und das Frühjahr hindurch wollte ich fröhlich am dritten Band meiner Halblingsdetektivin weiterschreiben und ihn vielleicht sogar in erster Näherung fertigzustellen.
Dann aber zog meine Frau sich eine langwierige und unangenehme Nervenentzündung zu. Ich muss gestehen, dass mir das ziemlich die Luft rausließ. Es raubte mir zuerst die Gelegenheit zum Schreiben, aber später auch die seelische Ruhe. Ich war aus dem inneren Gleichgewicht geraten. So war an produktives Schaffen war nicht zu denken. Was Lupina anging, war ich völlig aus dem Tritt und auch gar nicht in der Lage, mich auf den komplexen Plot konzentrieren.
So kam Ostern und ich hatte nichts geschrieben. Gar nichts. Ich hatte ein sehr schlechtes Gewissen. Ich fühlte mich faul und irgendwo rührte sich endlich wieder so etwas wie Schreibdrang. So schrieb ich am Ostermontag, während meine Frau ein Schläfchen machte, eine Weihnachtsgeschichte. Schon seit Jahren schreibe ich immer wieder Weihnachtsgeschichten, allerdings schreibe ich sie nur selten im Advent. So war im Laufe der Zeit eine hübsche Anzahl von Geschichten zusammengekommen, mehr als ein Dutzend.
Ich nenne die Geschichten Krippengeschichten, denn sie sind inspiriert von Weihnachtskrippen. Die vielfigurigen, liebevoll ausgestalteten Weihnachtskrippen veranschaulichen auf schönste und einfachste Weise das Weihnachtswunder. Von Anfang an stellte ich mir immer eine einzelne der Krippenfiguren vor und malte mir aus, wie sein Vorbild wohl das Wunder im Stall erlebt haben würde. Darum berichten diese Geschichten dasselbe Thema immer wieder neu und aus einer anderen Perspektive, je nachdem ob sie von einem der Hirten erlebt wird, vom Diener der Heiligen drei Könige oder vom Esel im Stall. Da sich die Figuren auf dem sehr übersichtlichen Schauplatz und dem knappen Zeitraum immer wieder begegnen, verweben sich die Geschichten allmählich zu einer größeren Erzählung.
Am Ostermontag nahm ich mir eine Geschichte vor, an der ich schon etliche Male gescheitert war, es sollte diese Krippengeschichten abschließen und die Heilige Familie sicher nach Ägypten bringen. Immer wieder hatte ich mich an dieser Geschichte versucht und nie war ich zu einer guten Lösung gekommen. Bisher waren alle Versuche stets am Mangel einer tragfähigen Idee, die die Geschichte vorantreibt, gescheitert. An diesem Montag aber fand ich endlich den Motor der Story und von dann war es ganz einfach.
Am folgenden Tag floss mir noch eine weitere Geschichte aus der Feder. Eine, die ich schon länger geplant hatte und die nun so leicht und problemlos zur Welt kam, dass es eine Freude war. Das war der Zeitpunkt, dass ich beschloss, Inventur zu machen. Ich hatte natürlich irgendwann begonnen zu planen,
Aus den Geschichten ein Buch zu machen, das, dem Anlass ange- messen, genau vierundzwanzig Geschichten umfassen sollte. Nun hatte ich hatte das Material aber schon eine ganze Weile nicht mehr gezahlt. Es waren zuletzt wohl etwa 16 Geschichten gewesen und im Herbst und Winter hatte ich noch Einige geschrieben.
Mit den zwei neuen Geschichten waren es dreiundzwanzig! Und noch hatte ich einen letzten Entwurf für eine weitere Figur in der Schublade: den Wirt. Am Abend war das zweite Dutzend komplett und ich druckte das Manuskript aus.
Ich ahnte nicht, dass ich einen riesigen Fehler gemacht hatte, doch davon mehr in nächsten Eintrag.
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6.6.2011 Die wiedergefundene Geschichte
Es ist ein schönes Gefühl, wenn plötzlich ein Projekt beendet ist. Mit einem gewissen Hochgefühl druckte ich darum meine Krippengeschichten aus, alle vierundzwanzig, um sie in eine gefällige Reihenfolge zu sortieren und zur großen Korrektur in einen Ordner zu stecken.
Vierundzwanzig Geschichten rund um das Thema Krippe - eine ideale Zahl und - das stellte ich in der Rückschau fest - auch durchaus eine Herausforderung. Ein letzter Titel war noch auf der Planungsliste liegen geblieben: Die Geschichte um einen unflätigen Spatzen, der das Weihnachtswunder mit despek- tierlichen Kommentaren aus seinem Schandschnabel kom- mentieren sollte. Doch schon vom Ansatz her war diese Geschichte schwach. Die Idee des frechen Piepmatzes hatte leider keine eigene Pointe und bezog seine Kraft nur aus der Destruktion des Zaubers der anderen Geschichten. Ich hatte die Spatzengeschichte schon oft begonnen und nie zu Ende gebracht. Ich bezweifele inzwischen, ob die Idee für dieses Buch überhaupt taugt. Es war gut, die vierundzwanzig Geschichten komplett zu haben. Dass mir in den nächsten Jahren noch eine weitere Geschichte rund um die Krippe einfallen würde, hielt ich recht unwahrscheinlich. In Sachen Krippe fühlte ich auf Jahre hinaus leergeschrieben.
Beim Sortieren der Blätter stutzte ich plötzlich, um dann lauthals zu fluchen. Eine Geschichte hatte ich versehentlich unter zwei Titel abgespeichert. Sie hatte sie sich doppelt in die Sammlung gemogelt. Ich hatte nur dreiundzwanzig Geschichten. Die zählte wohl ein Dutzend Male nach, das Ergebnis blieb aber dasselbe. Nur dreiundzwanzig Geschichten. Ich konnte doch die Erzählung nicht in dreiundzwanzig Geschichten herausgeben? In achtzehn vielleicht. Aber dreiundzwanzig? Das sah so aus, als könnte ich nicht zählen oder als hätte ich etwas vergessen.
Auf der Festplatte war aber nicht mehr gespeichert. Es waren genau dreiundzwanzig Geschichten. Vielleicht war auf dem anderen Rechner noch was? Vielleicht ließ sich ein Spatzenfragment ja doch irgendwie ausbauen? Auf dem anderen Rechner hatte ich ein paar fruchtlose Spatzenversuche gespeichert. Als ich das längste und beste Fragment nun wieder las, erkannte ich schnell, warum ich es nicht beendet hatte. Es würde nie zu den anderen Geschichten passen. Andere Krippengeschichten waren auch auf dieser Festplatte nicht gespeichert, bis auf den „Stall“.
Der „Stall“? Ja ... Ich erinnerte mich dunkel. Das war eine alte Idee gewesen. Ich hatte überlegt, auch dem Stall eine Geschichte zu widmen und in dieser Geschichte die vielen unterschiedlichen Reaktionen der vielen Besucher ins Zentrum zu stellen, wenn sie den Retter der Welt ausgerechnet in so einer solch ärmlichen Behausung entdecken. Ich hatte die Idee früh wieder verworfen und völlig vergessen.
Doch hier war die Geschichte vom Stall gespeichert. Gespannt öffnete ich die Geschichte und hoffte, zumindest einen ausbaufähigen Anfang zu finden. Es war kein Fragment. Es war eine ganze und komplette Geschichte, zwar unkorrigiert, aber fix und fertig und schön. Wunder- schön und dicht, sie verband die anderen Geschichten und hatte eine ganz eigene Kraft und Schönheit.
Plötzlich hob sich der Schleier und ich wusste nun wieder, wann die Geschichte entstanden war. In einer Nacht, in der ich nicht hatte schlafen können, war ich aus dem Bett gekrochen und hatte es noch einmal mit dem Stall versucht. Ob ich vorher zu spät zu viel Tee getrunken hatte, konnte ich nicht sagen. Aber ich hatte bis frühe in den Morgen an der Geschichte gearbeitet und sie zu Ende gebracht und sie gespeichert. Danach war ich ins Bett gekrochen und war sofort eingeschlafen. Am nächsten Morgen ereilte uns die Nachricht eines Todesfalls, der uns sehr bewegte und unseren Alltag ein wenig aus der Bahn warf. So blieb der Rechner eine ganze Weile aus und ich vergaß diese Geschichte vollkommen. So blieb sie als unkorrigierter Rohdiamant auf dem Rechner versteckt, um nun als 24. Geschichte das Projekt vollzumachen.
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20.6.2011 Die erste Rezension
Für einen Schauspieler gibt es Applaus, Wenn die Leute klatschen, wird bestätigt, dass er seine Sache gut gemacht hat. Ein Autor wird nicht beklatscht, er bekommt keinen Beifall. Er hängt, was das Feedback des Publikums angeht, ein wenig in der Luft.
Am liebsten würde er ja jeden einzelnen Leser befragen: „Wie hat dir mein Buch gefallen, besonders die ein Szene, an der ich mich sooo geplagt habe? Wie hat sie dir gefallen? Sag, wie war's?“
Doch das ist - zum Glück - nicht möglich. Um so interessanter sind für den Autor darum Rezensionen. Da gibt es Feedback und das auch noch aus berufenem Munde. Eine Art Schulterklopfen, verbunden mit einem „Gut gemacht!“. Wenn das Buch gut ist ...
Aber wenn es schlecht besprochen wird? Wenn es dem Rezensienten nicht gefällt. Wenn er meine Schreibe doof findet? Wenn er keinen Draht zu meinem Buch findet und die Mischung von Fantasy und Krimi bei ihm ein Gähnen auslöst?
Natürlich will man, dass das eigene Buch besprochen wird. Der Ver- stand sagt, dass es keine schlechte Presse gibt, nur gar keine. Selbst ein Verriss ist im Sinne der Publicity eine gute Nachricht. Und doch ... Man will gute natürlich Presse. Tief im Inneren des Autors steckt ein kleines Kind, das gelobt werden will. Darum hat man als Autor Angst. Außerdem weiß jeder, der schreibt: Es ist so einfach, einen Verriss zu schreiben. Fatalerweise macht es auch noch Spaß, Hähme und galligen Spott über verunglückte Formulierungen auszugießen.
Bisher war ich aus diesem Grund zurückhaltend und habe bislang aktiv nicht nach Rezensenten gesucht. Doch einer hat mich gefunden und über mich ein Rezensionsexemlar bestellt.
Das war vor mehr als einem Vierteljahr. Drei Monate warten und bangen. Nun ist die Rezension heraus.
Ist sie gut? War es ein „Gut gemacht!“? Oder ist Lu verrissen worden?
Urteilt selbst:
Die Phantastik-Couch
Und das wurde besprochen: Nach oben
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16.7.2011 Nebeneffekte - Mundpropaganda
Es ist schön, wenn das eigene Werk von den Lesern gemocht wird. Als ich neulich auf einer Taufe feststellte, dass mein Cousin, sein Frau und meine Cousine nicht nur begeisterte Leser meiner Bücher sind, sondern regelrecht enthusiasmiert, fühlte sich das an wie eine ayurvedische Behandlung mit lauwarmem Öl!
Doch Verwandtschaft und der eigene Freundeskreis sind natürlich so eine Sache. Als Autor muss ich da vorsichtig sein. Natürlich freuen mich Lob und Begeisterung hier um nichts weniger, doch ich muss mir dennoch die unbequeme Frage stellen: Ist allein mein Werk der Grund der Begeisterung, oder ist sie meiner Person und der persönlichen Beziehung geschuldet? Die müssen einen ja mögen und sind als Clansmen/women zur Unterstützung moralisch verpflichtet.
Lu hat aber auch außerhalb der Familie und meines Freundeskreises echte und treue Fans! Und so zieht Lu - langsam zwar aber doch - ihre Kreise. Nun habe ich sogar in einem Fall erfahren, wie diese Kom- munikationskanäle funktionieren und was sie alles auslösen können.
Eine Forenfreundin, ich kenne sie aus einem Schreiberforum, ist eine der ganz frühen und unverbrüchlichen Freundinnen von Lu. Sie empfahl "Eine Frage von Leben und Tod“ ihrerseits einer andern Freundin, die ich wiederum gar nicht kenne. Das Buch gefiel dieser Freundin gut. Schon das allein hätte mich schon froh und stolz gemacht. Doch damit war es nicht genug:
Offenbar suchte diese Freundin mehr als eine nette Lektüre. Sie strebte Höheres an und bewarb sich als Rezensentin bei einem Online-Fantasy-Magazin und lieferte als Arbeitsprobe eine Rezension ab, über Lus Abenteuer „Eine Frage von Leben und Tod“.
Sie muss ihre Sache wohl gut gemacht haben, denn sie wurde als angenommen und die bewusste Rezension wird wohl in der neuen Ausgabe erscheinen.
Natürlich kann ich es mir nicht als Verdienst anrechnen, dass diese Bewerbung erfolgreich war. Dennoch freut es mich natürlich sehr, wenn mein Schaffen Freunde findet, und ganz nebenbei etwas Positives bewirkt. Positiv zunächst für die nun frischgebackene Rezensentin, aber auch im Endeffekt für mein Werk, denn Rezensionen kann man gar nicht genug haben.
Nun bin ich auf diese Buchbesprechung recht neugierig. Noch ist sie nicht erschienen und auch ich kenne sie nicht. Ich bin gespannt, wie ein Regenschirm, was genau sie zu Lu meinen wird und welche Aspekte des Buches sie besonders beeindruckt haben.
Dieser eitle Wissensdurst eines Autors wird hoffentlich bald befriedigt werden. Ich lasse es Euch wissen.
Euch, liebe Leser, sollte diese Episode die Kraft der Flüsterpropaganda ins Gedächtnis rufen und klar machen, was ihr alles ganz einfach und ohne Aufwand bewegen könnt. Darum meine Bittean Euch: Schluss mit dem stillen genießen! Lobt und empfehlt, was Euch gefällt. So unterstützt Ihr die, die Eure Welt bereichern.
o Den Italiener mit den extraleckeren Pizzas. o Die Boutique mit den tollen Klamotten. o Den vhs-Kurs, der Euch weitergebracht hat. o Und vielleicht auch meine Bücher, wenn sie Euch gefallen haben.
PS: Das war das Buch: Nach oben
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21.7.2011 Wieder im Trott
Hurra! Ich bin wieder im Schreibtrott. Das ist gut und fühlt sich auch klasse an. Seit zwei Wochen schreibe ich wieder an Lu3 weiter und es geht gut voran. Jeden Morgen von halb acht bis mindestens im neun Uhr bringe ich meinen Roman weiter. Das Tagespensum zur Zeit ein halbes Kapitel, vielleicht etwas weniger.
Seit heute hat das Manuskript auch endlich einen Arbeitstitel: „Im Namen von Glauben und Weißheit“ (Das scharfe S ist Absicht, nicht meiner Rechtschreibschwäche geschuldet!)
Was mich besonders freut, ist, dass es sich bisher gut anfühlt und gut liest, was ich bisher geschrieben habe. Nun bin ich über die Hälfte, habe drei Priester gekillt und beginne schon wieder die einzelnen Fäden der Handlung aufzusammeln.
Zwar geht es nur langsam voran, aber immerhin stetig und ich weiß nun auch genau, wie das Ende ausgestattet werden soll. Ich bin zufrieden. Das Tempo könnte höher sein, doch solange es vorangeht, will ich nicht klagen. Lupina wird sich auch bald freuen, denn morgen wird Al da Rion wieder in Garbath einlaufen. Da wird, so wie ich die beiden kenne, die Nacht durchtobt zu höheren Ehre Lambaghis.
Aber Psssst! Nicht verraten! Sie weiß es noch nicht und ich will Lu ja überraschen.
Mit den Weihnachtsgeschichten wird es nächste Woche weitergehen, wenn ich die letzten Korrekturen meiner treuen Betaleserin habe. Auch hier bin ich voll im Zeitplan und es lässt sich gut an.
Auch bei den schon erschienenen Büchern tut sich was.
Im letzten Beitrag habe ich es ja schon angedeutet, dass es eine weitere Rezension von Lu gibt. Zwar wird sie wohl erst im August in der neuen Ausgabe von „Phantast - Das gemeinsame e-Magazin von literatopia und fictionfantasy“ erscheinen, doch schon jetzt ist der Artikel unter
http://www.fictionfantasy.de/eine-frage-von-leben-und-tod
vorabveröffentlicht und kann von Euch gelesen werden.
Auch beim Online-Buchhändler Amazon sind inzwischen drei neue Rezensionen von „Eine Frage von Leben und Tod“ eingetrudelt.
Apropos Amazon. Ich wusste nicht, ob ihr es wisst, doch wenn ihr beim Verlag bestellt, natürlich versandkostenfrei, sind meine Tantiemen fast doppelt so hoch. Es ist also nachvollziehbarer Eugennutz, wenn meine Banner auf den Onlineshop des Verlages hinweisen.
Was die Rezensionen angeht: Alles Feedback ist recht positiv. Aber noch bin ich als frisch veröffentlichter Autor in der Phase, dass ich jede Besprechung freudig begrüße. Auf Weltbild.de Thalia und anderen Plattformen steht übrigens noch gar nichts... Wenn ihr also Langeweile habt, tut euch keinen Zwang an.
Und bitte: Gebt mir Bescheid!
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27.9.2011 Pause ...
Lu macht gerade Pause ... aber wenigstens war ich nicht untätig.
Gerade ist offiziell mein neues Buch erschienen, das aber diesmal gar nichts mit Lupina und Garbath zu tun hat. Es sind Krippengeschichten, ein Projekt, das schon seit Jahren immer wieder auf meinem Schreibtisch landete.
Nun - da es vierundzwanzig Geschichten sind - war es Zeit, das Buch herauszubringen. Das bedeutete viel Korrekturarbeit, Formatieren und das formulieren von Klappentext und Exposé.
Ein Exposé zu schnitzen heißt, alles über das eigene Buch zu schreiben, was jemanden eventuell interessieren könnte. Sachlich und auf eineinhalb Seiten. Es war wieder mal ein unangenehmer Dratseilakt zwischen understatement und Selbstbeweihräucherung, was man beides dringend vermeiden sollte. Immerhin gelang es mir, aus den besten Stücken dreier verworfener Versuche eine brauchbare Grundlage zusammenzudengeln.
Neben den Krippengeschichten ergab sich noch ein weiteres Projekt, über das ich bei Gelegenheit berichten werde.
Man kann nicht zwei Herren zugleich dienen. Ich habe versucht, neben den anderen Projekten auch an Lu weiterzuarbeiten, doch es war vergebens. Es geht nicht. Ich weiß ja nicht, ob andere das können. Ich schaffe es nicht, den Fokus auf zwei Projekte zugleich scharf zu stellen.
Doch nun ist die Zeit reif. Die Krippengeschichten sind erschienen, das andere Projekt ist auch bald abgeschlossen. Und dann geht es weiter mit Lu.
Mit Feuereifer. Ich freu mich schon drauf!
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2.10. 2011 Kartenspielereien
Ich wollte mir doch nur ein paar Visitenkarten drucken. Ich hatte mir also neulich ein paar Bögen vorgestanzte Karten besorgt und machte mich froh ans Werk. Etwas später war ich weniger froh und ließ es bleiben. Meine ersten Entwürfe kann man nur unter der Kategorie „Sehr seltsam“ abhaken. Zu viel Info, zu wirr, zu klotzig. Es ist schon wahr: Nur weil der Computer einem alles ermöglicht, kann dennoch nicht jedermann ein ansprechendes Dokument anfertigen, selbst wenn es nur eine Visitenkarte ist.
Nur eine Visitenkarte? Von wegen! Es dauerte eine Weile, doch in den letzten 36 Stunden ist klar geworden, dass diese kleinen Kartonblättchen, wenn sie gut sind, kleine Kunstwerke darstellen. Und noch einiges mehr ist mir klargeworden ...
36 Stunden ... was war passiert?
Zunächst fiel mir ein supergummiguter Angebotsgutschein in die Hand, der mir für lächerliches Geld eine tollen Satz individuell gestaltete Visitenkarten anbot. Die nächsten Stunden klickte ich mich staunend durch ein paar Tausend Visitenkarten-Entwürfe und bemerkte, dass sie ganz anders aussahen, als alles, was ich zuvor versucht hatte: Sie waren besser, die sahen richtig gut aus! Offenbar machten Leute, die etwas davon verstanden, ein paar wesentliche Sachen grundsätzlich anders als ich: Sie machten es richtig.
Nach einer weiten Stunde hatte ich mir meine Visitenkarte nach Wunsch zusammengeklickt und war zufrieden ... bis ich den Preis dafür sah: Wenn etwas zu schön ist, um, wahr zu sein, ist es meisten tatsächlich nicht wahr. So war es auch mit diesem supergummiguten Angebot. Nach ein paar weiteren Stunden, war ich mir sicher, dass es unmöglich war, die Visitenkarten zu dem ausgelobten Preis zu bekommen. Das Hochladen einer Grafik wurde teuer extra berechnet, der Rückseitendruck war im Vergleich zu Vorderseite unverhältnismäßig teuer und auch die Versandspesen waren weit überzogen. Nachbestellungen wären vermutlich weit kostspieliger gewesen, als die ersten Visitenkarten und selbst die waren bei genauerer Betrachtung nun gar nicht mehr so preis- wert, wie angekündigt. Kurzum: Auf das Angbot aber verzichtete ich. Immerhin: Ich hatte jede Menge gut gestalteter Visitenkarten gesehen und einiges dabei gelernt.
Mit meinem frisch erworbenen Wissen ging ich zurück zu meinem Schreibprogramm und versuchte es erneut. Und siehe da: Ich fand eine schöne Formatvorlage, passend zu meinen Visitenkartenbögen. Damit wandte mein frisch erworbenes Wissen an: Ich reduzierte den Text, nutzte nur eine einfache, klare Schrift. Ich gruppierte die Informationen klar und ließ dem Auge genug weißen Karton zum Ausruhen. Die Karte war nun klar, schlicht und ansprechend.
Dann schmierte der Rechner ab, ich verlor die Geduld und ging ins Bett.
Nach etwas Schlaf, einem Frühstück und einem Stündchen harter Arbeit, war der Entwurf rekonstruiert. Und gespeichert. Nun ging es ans Aus- drucken. Und – was mich betraf – ans Ausrasten!
Das Prinzip WYSIWYG war ja immer schon ein Versprechen aus dem Mächenland, doch zumindest eine gewisse Ähnlichkeit war ich schon gewohnt. Doch hier war Druck um mehr als einen Zentimeter verschoben, was bei vorgestanzten Visitenkarten fatal ist. Auf dem kleinen Kärtchen sind zehn Millimeter schon gewaltig!
Ich spielte stundenlang mit allen möglichen Einstellungen und endlich hatte ich es korrekt hinbekommen! Der erste richtige Ausdruck auf Karton ging erst mal so richtig in die Binsen ging. Ich vermutete immer noch fehlerhafte Einstellungen, doch es war, wie ich eine halbe Stunde später feststellte, nur ein fehlerhafter Einzug!
Nun endlich bin ich also fertig mit den Visitenkarten ... und mit den Nerven.
Aber ein wenig stolz bin ich doch.
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8.12.2011 Erinnerungen an Lesungen
Bisher habe ich nur im kleinen Rahmen gelesen, vor meinem Chor, also in einer Art Wohlfühlrahmen. Oder ich las einige sehr kurze Geschichten vor. Nun werde ich vor zum ersten Mal vor größerem und kritischem Publikum lesen. Mehr davon in Kürze. Heute will ich lieber zurückdenken, an einige sehr unter- schiedliche Erfahrungen mit Dichterlesungen.
I. Die Schulveranstaltung
Die ganze Schule, ab der 7. Klasse, also etwa 1000 Nasen wurde zu einer Schullektüre des jeweils auserwählten Autors verpflichtet, die natürlich privat angeschafft werden musste.
Die Autoren passten weder ordentlich in den Lehrplan, noch ins bevorzugte Lesesegment der Schüler, allerdings wohl ins besondere Interessengebiet des Fachbetreuers. Die Lektüre war meist kurz, da der Lehrplan ja auch abgefeiert werden sollte. Von der Kürze abgesehen blieb mir nicht Nennenswertes oder gar Erfreuliches in Erinnerung.
Dann die Lesung, eine Doppelveranstaltung, für die Oberstufe gab es eine seperate Lesung mit Diskussionsmöglichkeit. Ich - damals in der Mittelstufe - durfte nur zuhören. Eine schulische Pflichtveranstaltung, zu der ein obligatorischer Unkostenbeitrag „freiwillig“ - meist aber eher unwillig - erhoben wurde.
Alsdann begab man sich in die Turnhalle, wo Turnmatten und dahinter Turnbänke uns Platz boten. Nicht einmal eine Bestuhlung gab es. Stimmungsvolles Ambiente? Pfeifendeckel! Auftrat der Autor. Der Fachbe- treuer, der Direktor und alle Deutschlehrer machten artig dem Dichter ihr Kompliment. Dann wurde der Künstler auf ein Podium gesetzt, das knacksende und knirschende Mikro wurde in Funktion gesetzt und die Lesung begann. Nach etwa 60 Minuten überschlug sich unter Anleitung des Direktors das Kollegium mit dem Fachbetreuer an der Spitze vor Begeisterung und machte fortwährend KoTau. Dann endlich durften wir Schüler in die Pause.
Ich will den Autoren - zwei solcher Lesungen habe ich durchlitten - gar nicht nachsagen, dass sie sich nicht redlich um ihr Publikum, uns Kinder, bemüht hatten. Doch diese Form der Veranstaltung, die wir als ein zwangsweise verabreichtes Kulturklistier empfanden, machte es ihnen natürlich sehr schwer. Mehr als artiges Zuhören und höflich kaschiertes Desinteresse war uns da kaum abzufordern. Ich denke, auch die Autoren werden sich mehr erwartet haben.
Was kann man daraus lernen?
Mit Sicherheit, wie es nicht geht ...
II. Rafik Shami
Als ich die Gelegenheit bekam, in einer größeren Buchhandlung Rafik Schami zu erleben, ließ ich mich nicht zweimal bitten. Dieser Syrer, er lebt in Deutschland und schreibt auf Deutsch, war damals mit originellen, modernen Märchen bekannt geworden. Die Buchhandlung war voll. Man lehnte an Regalen, saß auf dem Boden, hockte auf Hardcoverstapeln, auf Kisten und sogar auf den Knien derer, die einen der wenigen Stühle bekommen hatte. Es waren anfangs wohl um die 60 Leute, zwischen 6 und 60, am Ende betrug die Zahl eher 100. Das spricht allein schon für die Lesung.
Nur ... es war gar keine Lesung. Herr Shami kam, mit einem Klappstuhl, setze sich an einen Fleck, den allen sehen konnten, holte sein neues Buch und erzählte. Er erzählte von seiner Anreise, flocht ein Märchen ein, das in genau so einem Abteil spielt, wie er es eben erlebt hatte, berichtete vom seinem Weg vom Bahnhof zur Buchhandlung und dass der Imbissgeruch einer Straßenecke ihn in seine Jugend nach Damaskus zurückkatapultiert hatte. Er erzählte von dem Metzger seiner Kindheit, einem Kebab-Künstler, von einer Jugend in den engen Gassen des Orients. Wir hingen an seinen Lippen, und waren in unserer von ihm beflügelten Phantasie selbst dort. Alles war frei, charmant, flüssig und lebendig vorgetragen. Von keinem Manuskript oder Buch behindert, hatte er stets Blickkontakt. So passte er sein Tempo und das Timing der Pointen genau den Reaktionen des Publikums an, es war ein Genuss.
Über eine Stunde plauderte er. Am Ende gab es Möglichkeiten seine Bucher zu kaufen und signieren zu lassen. Als ich sein neues Buch las, stellte ich fest, dass fast alle Geschichten, die er erzählt hatte, in diesem Buch enthalten waren.
Besser und schöner kann man eine „Lesung“ kaum machen! Doch ob ich die Begabung dieses begnadeten Geschichtenerzählers habe? Ich bezweifle es.
Immerhin ist es eine Herausforderung ...
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14.12.2011 Goethes Schlittschuh
Vor vier Wochen erreichte mich ein Anruf und ich wurde sehr nett und herzlich zu einem Literaturevent namens „Goethes Schlittschuh“ in unserer kleinen Kreisstadt eingeladen. Es tat mir von Herzen leid, dass ich absagen musste, doch ich hatte schon lange zuvor ein anderes Event zu just diesem Termin vereinbart.
Der andrere Termin platzte jedoch und so konnte ich mit etwas Verspätung doch noch zusagen. Diese Dichterprämierung mit einer Wandertrophäe, eben Goethes Schlittschuh, ist inzwischen eine kleine aber feine Institution im regionalen Kulturkalender. Die Regeln sind schlicht, aber zweckmäßig: Die Teilnehmer werden nacheinander auf eine winzige Bühne gesetzt und haben 10 Minuten Zeit, ihr Bestes zu geben und einen selbstverfassten Text zu präsentieren. Anders als bei einem Poetry-Slam entscheidet aber nicht der Applaus des Publikums, sondern eine Jury über die Beiträge.
Eine passende Geschichte für den Vortrag war schnell gefunden, „die Weihnachtsfeier“ aus der jüngst erschienenen Weihnachtsanthologie, die herausgeben zu dürfen ich die Ehre hatte. Schwieriger war schon das Kürzen der Geschichte, denn ein erstes Testlesen unter Gefechtsbedingungen zeigte, dass sie entschieden zu lang war. Zwar war die Zehnminutenfrist nicht starr, doch allzu lange sollte man auch nicht überziehen. Das schwierigste war aber das Arbeiten am richtigen Vortrag.
Sonst gilt es ja eher, langsam zu sprechen, Pausen zu machen und der Stimmung der Geschichte Zeit zu geben, sich zwischen den Ohren der Zuhörer einzurichten. Eine Eigenheit des Werkes setzte jedoch diese Grundregel außer Kraft: Die Geschichte war eine Satire im Stile einer gehetzten Radioreportage über ein Sportereignis. Ein hohes Grund- tempo ist da Pflicht. Damit der Vortrag kein homogener Wortbrei wird, muss hie und da das Tempo ein wenig herabbesetzt oder gar noch weiter zu Maschinengewehr-Staccato erhöht und mit Betonung akzentuiert werden. Nach einigem Herumprobieren hatte ich endlich den Text für den Vortrag passend aufbereitet.
Dann endlich der große Abend: Die Lokation war ungewöhnlich, ein altes Passamt, so verwinkelt, dass die Veranstaltung mit Videokameras auf zwei Leinwänden übertragen werden musste. Dennoch war die Stimmung hervorragend, irgendwie zwischen Party-Event und Fest-Vortrag. Mir wurde gesagt, ich würde den Reigen als achter Autor beschließen. So konnte ich recht entspannt zumindest den Beginn der Veranstaltung verfolgen.
Drei der Teilnehmer stellte der Autorenverein „Write-Club“ aus München. Diese gewichtige Ankündigung verunsicherte mich. Ich neige zwar nicht zu übertriebener Bescheidenheit, doch ich war doch beeindruckt. War meine possierlich-fetzige Satire der metropolitanen Konkurrenz auch nur annähernd gewachsen? Ich wollte nicht unbedingt gewinnen, doch als ein provinzieller Autor minderen Anspruchs abstinken und mich belächeln lassen wollte ich auch nicht.
Die Texte der Kollegen aus München wurden von der Jury gelobt, teilweise sogar mit Kafka verglichen, was mir mit meinem Text, da war ich sicher, kaum gelingen konnte. Ich selbst fand die Texte zu verkopft und eher ambitionierte Stilübungen als erzählenswerte Geschichten. Am besten gefiel mir ein Kosovare, der seine Lyrik erst im albanischen Original und dann in einer spröden, dürren Übersetzung präsentierte.
Dann folgte ein Richter, Michael von Benkel aus Ingolstadt. Und der war klasse. Seine Taxi-Geschichte war originell, sehr autentisch, sehr sachkundig - war er doch im Studium selbst ein Taxler gewesen - und voll zarter Ironie, Auch sein Vortrag war angenehm, und wie das Lächeln der Mona Lisa, fast immer beinahe verschmitzt. Hätte die Geschichte eine peppigere Pointe gehabt, wäre sie vollkommen gewesen. Doch auch so hatte sie mich sehr beeindruckt. Als ich applaudierte , wusste ich, dass ich wohl kaum gewinnen konnte.
Die nachfolgenden Autoren, eine Mundartdichterin und ein Junge, der frech-schwarze Schüler-Lyrik vortrug, konnten beide das Publikum nicht recht überzeugen. Die Dame ritt ein wenig zu sehr auf einem einzigen Gedanken herum und der sympathische Schüler kämpfte sehr mit der eigenen Aufgeregtheit.
Dann war ich dran! Ein Kombattant kurzfristig abgesagt, und noch ehe mein Lampenfieber Zeit gehabt hatte, mich in eine katatonische Starre zu treiben, saß ich auf der Bühne. Im Hinsetzen beschloss ich, das Beste zu geben und aus meinem Auftritt eine kleine Show zu machen.
Ich las ... und ich kam wunderbar in den Text hinein. Auch sein hohes Tempo ging nicht zu Lasten der Verständlichkeit. Die Vorarbeit war Gold wert gewesen. Ich erntete Lacher, das Publikum ging mit und spätestens, als ich die verlesenen Blätter vom Schwung der Geschichte beschleunigt durch die Luft fliegen ließ und unter mir verteilte, hatte ich meine Hörer gewonnen. Wäre es nach dem Applaus gegangen, hätte ich wohl gewonnen. Ich war froh, denn zumindest blamiert hatte ich mich nicht. Würde ich mich gegen die feinere und differenziertere Taxigeschichte oder gar gegen die anspruchsvolle Sprachartistik würde durchsetzen können? Das hielt ich für immerhin möglich.
Den Preis erhielt schließlich die Taxigeschichte, doch die Juroren betonten, ich sei ganz vorne mit dabei gewesen. Der Sieger, Michael von Benkel, war völlig überrascht, denn er hatte wohl mich vorne gesehen. „Du rockst den Saal!“, lobte er mich. Auch die Lokalpresse sah uns wohl auf Augenhöhe, denn sie schrieb über meinen Vortrag: „Auch diese Geschichte hätte gute Chancen gehabt, den ersten Preis zu gewinnen.“ (PK 13.12.2011, Seite 20)
Ich selbst war stolz und auch ein wenig glücklich. Nein ... blamiert hatte ich mich wirklich nicht.
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Bitte um Beachtung: Thema in Variation
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27.12.2011 Lesung in Ingolstadt
Wenn’s einmal gut läuft, geht es dahin. So heißt es. Es ist auch nicht ganz falsch. So ging es mir Anfang Dezember: Michael von Benkel, der Sieger von Goethes Schlittschuh war so sehr von meiner Lesung bei dem Wettbewerb beeindruckt, dass er mich zu einer Lesung seines Autorenkreises in Ingolstadt einlud. Dass ich mich da nicht zweimal bitten ließ, ist leicht einzusehen.
Es flogen ein paar e-mails hin und her, und schon war es soweit: Ich trat durch das riesige Tor der Harderbastei in Ingolstadt. Diese Katakomben der alten Festungsanlage im Norden der Altstadt wurden wohl einst als Magazine genutzt. Heute stellen sie einen luftigen, bogenförmig gekrümmten Stollen aus gemauertem Tonnengewölbe dar. Inzwischen weiß getüncht und spartanisch eingerichtet wird diese Location als städtische Galerie. genutzt, aber auch als Veranstaltungsort für kulturelle Veranstaltungen wie diese Dichterlesung.
Schon der Empfang war ebenso freundlich, wie er unkompliziert und entspannt war. Offensichtlich wirken hier nette Leute, die wissen, was sie tun. Die Aufbauarbeiten waren in der finalen Phase. Ich, bzw ein Klebeband, das ich zufällig im Auto hatte, halfen dann doch noch mit, ein paar Kabel zu sichern.
Neben uns Dichtern gab es einen Klangkünstler, der einem selbstge- bauten „Emophon“, einer trickreichen Montage mehrerer Stahlplatten, die größten so groß wie einst ein Schallplattencover, und einem Mikrophon unheimlich äthärische Heulgeräusche entlocken konnte. Dass das Emophon beim Transport zerbrochen war, behinderte nicht weiter. Er frug mich, ob ich eine sanfte Lautbegleitung zu meiner Lesung wünsche. Ich willigte ein, denn die Klangstimmungen, die er erzeugte, schien mir sehr gut zu passen.
Es folgte eine kurze Mikrophonprobe. Hier lernte ich, dass ich mich bei Gelegenheit dringend mit diesen Geräten auseinandersetzen muss. Bei Goethes Schlittschuh war das Mikrophon ein Tischgerät, das bei einem Abstand von 30cm gut funktionierte, aber keinerlei Kopfdrehen verzieh. Das hatte ich bei meinen Mitbewerbern beobachtet. In der Kirche, wo ich ich einmal lesen durfte, war ein anderes Mikro, das auch größeren Abstand und verschiedene Winkel der Ansprache verzieh. Das Gerät hier nun war so ausgelegt, dass es für eine gute Übertragung von meinem Bart gekitzelt werden musste. Es erforderte etwas Übung: Ich musste um den Mikrophonständer, der quer über den Tisch vor die südliche Hemisphäre meines Gesichtes ragte, herumlinsen und auf- passen, dass die Installation mir nicht den Text auf dem Papier verdeckte.
Noch war etwas Zeit, die Bilder an den Wänden - wir lasen ja in einer Galerie - zu betrachten. Und siehe da, ich traf, an der Wand hängend einen lieben Bekannten, Max Biller, der Maler aus Schrobenhausen war mit zwei seiner schönen, großformatigen Ölgemälden vertreten. (vgl. Titelbild auf Umwegen)
Nach und nach traf auch Publikum ein und schließlich begann es. Es waren sehr unterschiedliche Texte, jeder auf seine Art schön und manchmal verstörend, wie es ja auch bei dem Thema sein sollte: „Mörderische Damen und Herren- Kriminalgeschichten“.
Während ich endlich nervös Platz nahm, meine zwei Manuskripte auf dem Tischchen sortierte und den Mikrophongalgen so positionierte, dass ich halbwegs auf meinen Text schauen konnte, leerte sich mein Kopf zusehends und die Einführung, mit der ich Lupina meinem Publikum vorstellen und den Textzusammenhang erklären wollte, war mir plötzlich beinahe komplett entfallen. Ich schusterte aus dem Stegreif ein Sätzchen zusammen, wobei ich wichtige Details vergaß. Auch hier werde ich üben müssen. Um endlich wieder sicheren Grund unter die knieweichen Beine zu bekommen, begann ich zu lesen und tatsächlich: Ich kam gut in den ersten Text hinein, ließ mir Zeit für gute Betonung, wurde sicher, wagte zwischendurch Blickkontakt und konnte die Hörer packen. Willig folgten sie erst Lupina auf den nächtlichen Friedhof und dann zu Anthony und seiner verwunschenen Schreibmaschine. Das Emophon untermalte die Geschichten mit geheimnisvollen Klaggebilden und die mir zugemessenen zwanzig Minuten verflogen im Nu.
Es war eine tolle Erfahrung auch etwas länger zu lesen, eine sehr erfreuliche Begegnung mit dem Autorenkreis Ingolstadt und für mich in mehrfacher Hinsicht ein Augenöffner.
Es ist die Zeit der guten Vorsätze: Ich will in Zukunft versuchen, öfter zu lesen.
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